Autor Thema: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?  (Gelesen 13385 mal)

Offline Dumon

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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #30 am: 07.Juni.2015, 20:45:01 »
...ausgelagert, da es sonst evtl. untergeht (weil Edit):

Das liegt vielleicht an der Bewertung meiner Freizeit. Die wenige Freizeit, die ich habe, möchte ich mit Dingen gestalten, die ich voll und ganz genießen und auf die ich mich voll und ganz einlassen kann. Ist dies nicht der Fall, dann sind sie für mich viel schneller Zeitverschwendung als irgend etwas anderes. Und meine Freizeit ist mir eines der höchsten Güter, das will ich nicht verschwenden, an nichts und niemanden.
Manchmal geht das nicht. Und in manchen Dingen nehme ich einen Kompromiss in Kauf, um mir andere Vorteile zu verschaffen. Aber eben nur dann, wenn die Vorteile die Nachteile des Kompromisses aufwiegen. Da, wo das nicht der Fall ist, und wo ich es vor allem ganz bewusst steuern kann, da werden von mir eben Kompromisse abgelehnt...
:)

Hier ist aber genau der Ansatzpunkt, an dem ich glaube, dass wir uns vollkommen gleichen. Die Kompromisse, die Du einzugehen bereit bist (eben, indem Du einen Konsens bevorzugst, um spielen zu können), geben Dir einen Mehrwert, einen Vorteil, gegenüber der Situation, die Dir diesen Mehrwert nicht verschafft - eben NICHT zu spielen. Wäre das nicht der Fall, würdest Du es mit Sicherheit nicht tun, denn auch Dir ist Deine Freizeit garantiert viel mehr wert, als sie mit etwas zu verbringen, dass Dir mäßig oder keinen Spaß bereitet (wenn nicht ein anderer, aufwiegender Vorteil winkt, eben).

Es ist, wie immer, eine Frage, was es einem selbst wert ist.
Und für mich ist eine Hobby-Iteration, bei der alle mittelmäßig Spaß haben können, wenn wir alle Kompromisse eingehen, die Zeit nicht wert.
Also beuge ich das Hobby, und suche mir Mitstreiter, die an ähnlichem interessiert sind. Oder nutze meine Zeit anderweitig.


Edit:
Oder anders - die große Auswahl KANN ein Problem für das Hobby sein, es kommt einfach darauf an, ob die Auswahl den Hobbytreibenden betrifft, was dieser dann daraus macht, und wie er sein Hobby betrachtet bzw. was er von dem Hobby will. Daher ist diese Frage mEn nicht generalisierend, sondern nur individuell, zu beantworten...
« Letzte Änderung: 07.Juni.2015, 20:52:40 von Dumon »
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #31 am: 07.Juni.2015, 21:11:14 »
Du gehst scheinbar davon aus, dass das vielseitige Settingangebot (z.B. im von mir weiter oben verlinkten Spielrundenthread) ein Kompromis meinerseits ist, um überhaupt spielen zu können. Also quasi als breit angelegtes Angebot, um es potenziellen Spielern recht zu machen.
An dem Punkt irrst du insofern, dass das für mich kein so großes Opfer ist, wie du vielleicht denkst.

Und zwar weil:
Ich bin settingtechnisch eben vielseitig interessiert, und kann mir zu jedem davon eine Runde vorstellen, wenn die Mitspieler mitziehen, sonst würde ich wohl kaum soviele verschiedene Settings anbieten.
Aber eben weil mir meine Freizeit sehr wichtig ist (wie du richtig erkannt hast) und ich diese nicht verschwenden will, mache ich mir über die konkrete Ausgestaltung einer Spielrunde eben erst Gedanken, wenn sie sich zusammengefunden hat. Auf diese Art kann ich dann auch die Geschmäcker und Wünsche meiner Mitspieler berücksichtigen (Player Empowerment ist mir nunmal sehr wichtig) und sie mit einbeziehen, ohne mich verbiegen zu müssen.

Als Zeitverschwendung würde ich es hingegen ansehen, viel Zeit und Mühe in die Planung für eine Runde meines aktuellen Lieblingssetings zu investieren, die dann mangels Spieler nie zustande kommt.
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #32 am: 07.Juni.2015, 23:37:56 »
Sehe ich total ein.
Und viel Zeit investieren tue ich meist auch erst, wenn die Runde zustande kommt.
Zudem bin auch ich an vielen Settings und Systemen interessiert. Allerdings machen diese eher phasenverschobene Sinusbewegungen. Heißt, irgend etwas ist gerade mehr interessant für mich, und auf irgend etwas hab ich keinen Bock.

Gerade hat ein Artikel z.B. wieder mein Interesse an Tribe8 geweckt. Das wird dazu führen, dass ich mir das in den nächsten Wochen mal wieder ausführlicher zu Gemüte führen werde, und dann wahrscheinlich Lust darauf bekomme, das zu leiten. Oderoderoder. Ebb and Flow, sozusagen.

Und dass es für Dich ein Opfer ist, so viel anzubieten, das dachte ich nicht. Wir sind in unserer Wertschöpfung verschiedener Aspekte einfach grundlegend verschieden. Und auch in der Intention hinter dem RPG-Spielleitern. Player-Empowerment ist ein gutes Stichwort. Bei mir hängt das vom Setting ab, generell lass ich meinen Spielern aber auch einige Freiheiten, und wenn es das System zulässt, können sie auch bis zu einem gewissen Grad Welt, Setting und Szene mitgestalten.
Der Plot aber, der steht (in meinem Kopf, wenigstens). Sandboxing mit nach und nach (durch Spontaneinfälle, Ideen der Spieler etc.) entstehender Story mache ich eher selten - auch da kommt es mir wieder aufs RPG an.

Zumeist, wenn ich leite, könnte man es so ausdrücken:
Ich will eine ganz bestimmte Geschichte erzählen, und biete den Spielern die Möglichkeit, die Protagonisten in dieser Geschichte darzustellen. Dabei haben sie natürlich die üblichen Freiheiten, und formen durch Entscheidungen und Aktionen die Entwicklung der Geschichte mit. Dennoch liegt der Fokus meiner "Arbeit" aber auf der Geschichte. Das ist für mich mein Spaß am Spielleiten.
Allerdings bin ich als Spielleiter viel mehr Zuhörer und recht sanfter "Leiter" der Gruppe, lasse die SPieler machen, gerne und viel ausspielen, und generell ist das ihre Show. Das zumindest ist meine Intention, und man hat mir im Feedback auch mal gesagt, dass das gut klappt...

Klar bin ich enttäuscht, wenn ich Geschichten dann nicht erzählen kann, weil es an irgendetwas scheitert. Aber mir ist es lieber, diese Geschichte schon im Kopf zu haben, die mich total enthusiastisch stimmt, und mit der ich brennend und feuerspuckend von dem so tollen RPG erzählen kann, als dass ich mir das erst zusammenbauen müsste, wenn ich weiß, was ich leite.

Man könnte uns vielleicht so differenzieren:
- Ich hab eine Story im Kopf, die ein System bedingt, und suche mir Leute dazu
- Du suchst Dir erst die Story, wenn Du mit deinen Leuten das System festgelegt hast

Passt das?
« Letzte Änderung: 07.Juni.2015, 23:54:01 von Dumon »
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #33 am: 08.Juni.2015, 07:09:38 »
Man könnte uns vielleicht so differenzieren:
- Ich hab eine Story im Kopf, die ein System bedingt, und suche mir Leute dazu
- Du suchst Dir erst die Story, wenn Du mit deinen Leuten das System festgelegt hast

Passt das?

Ich würde eher sagen, ich habe viele verschiedene Storys im Sinn und wähle davon einfach die aus, die die Gruppe am liebsten spielen will.


Aber ich denke wir entfernen uns langsam viel zu weit vom eigentlichen Thema.
Hier geht es ja nicht um uns, sondern darum wie sich die große Auswahl an Systemen/Settings auf das Hobby Rollenspiel auswirkt und wie man damit umgehen kann/soll/muss.


Also Back to Topic!

Ein Punkt, der inzwischen etwas untergegangen ist, ist zum Beispiel, was die große Auswahl für Hobbyeinsteiger bedeutet.

Leute die über ihre Freunde zum Rollenspiel kommen (und das dürfte wohl die deutliche Mehrheit sein), spielen halt was die Freunde spielen, bis sie weit genug in der Materie drin sind, um sich evtl. nach alternativen Systemen umzuschauen.

In letzter Zeit häuft sich jedoch (subjektiv gefühlt) die Berichterstattung über Rollenspiele und Rollenspielevents. Zudem haben Filme wie Der Herr der Ringe vor ein paar Jahren einen Fantasyboom ausgelöst. Dank The Big Bang Theory ist Nerd sein so inn, wie noch nie.
Das alles könnte dazu führen, dass jemand ohne Vorkenntnisse und entsprechenden GamerFreundeskreis neugierig auf das Hobby wird. In dem Fall könnte ich mir vorstellen, dass die große Auswahl möglicherweise überfordert und vielleicht sogar abschreckt. Vor Allem wenn das 1. System, dass gewählt wurde als Einsteigersystem völlig ungeeignet ist.
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #34 am: 10.Juni.2015, 22:10:00 »
Also ist das Problem nicht etwa, dass es so viele Systeme gibt, sondern dass ihr schon vorher wisst mit WEM ihr spielen wollt, aber euch nicht auf das WAS einigen könnt  ;)
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #35 am: 11.Juni.2015, 05:41:21 »
Also ist das Problem nicht etwa, dass es so viele Systeme gibt, sondern dass ihr schon vorher wisst mit WEM ihr spielen wollt, aber euch nicht auf das WAS einigen könnt  ;)
... weil es soviele Systeme gibt und jeder am liebsten was anderes spielen würde. ;)
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