Autor Thema: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?  (Gelesen 24170 mal)

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Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« am: 22.Mai.2015, 18:39:15 »
In der Woche der provokanten Thesen mach ich mal weiter mit einer Frage die ich mir schon länger stelle.

Schadet die große Auswahl an Rollenspielsystemen dem Hobby evtl. gar mehr als sie nutzt?

Als ich Anfang der 90er zum ersten mal mit der Rollenspielszene in Kontakt gekommen bin, war die Welt noch einfach:
Man hat DSA (damals noch von Schmidtspiele) gespielt, das man damals übrigens im gut sortierten Spielwarenladen oder Buchhandlungen kaufen konnte. Die besonders aufgeschlossenen hierzulande kannten vielleicht noch D&D oder das erste Shadowrun. Aber so Hardcore waren wir damals noch nicht drauf.
Gespielt wurde mit den Schulfreunden und das möglichst jedes Wochenende.

Und heute fast 1/4 Jahrhundert  :o später?
Es gibt unzählige Systeme und Spielwelten. Für jeden Spielstil ist was dabei und die Auswahl fällt echt schwer, zumal die Zeit zum spielen auch eher knapper ist, als noch zu Schulzeiten.
Sich dann innerhalb der Gruppe auf ein System/Setting zu einigen grenzt schon fast an ein Wunder.

Ich könnte mir vorstellen, das der Einstieg heute für Neulinge auch eher schwerer sein könnte.
Wie soll man aus der vielzahl von Systemen das finden, das den eigenen Vorlieben entspricht, ohne Spielerfahrung, die einem sagt, was einem gefällt und was nicht!?
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #1 am: 22.Mai.2015, 23:11:21 »
Ich glaube du irrst dich. Ich hate den gleichen Einstieg, ja da stimmt aber auch ich habe erst später erfahren das es auch ANMDERE Systeme gibt.
Der blinkwinkel hat sich einfach gändert. Auch Früher gab es die ganzen Systeme. Woher ich diese Behauptung nehme? Ganz einfach ich habe viele Leute Gefragt womit sie angefangen haben und auch was sie wann so alles gespielt haben. Vom Veteranen der 83 mit D&D angefangen hat und über das erste DSA müde lächelte weil man da ne Maske trägt und in reimen spricht beim Zaubern bis hin zum Neuling der wegen eines Computerspiels vor ein par Wochen ein Buch gekauft hat habe ich allemöglichen Leute gefragt. Und siehe da. Nicht nur DSA ist hierzulande die EInstiegsdroge. Da gibt es Shadowrun, D&D, Vampiere, Traveller, Midgard und viele andere Systeme, die Heute Teilweise garnicht mehr existieren (Ich kenne Sogar Leute die mit PP&P oder Paranoia angefangen hatten)

Ich glaube wie gesagt das liegt am Blickwinkel und nicht an der Zeit. Heute kommt man an den Kram sogar dank Internet viel leichter als damals. Früher musste man noch nach nem Vedes suchen, weil der Karstadt die DSA sachen nicht hatte ;) Heute ist das SR5 GRW auf PLATZ 1 im Bereich Buchrollenspiel bei Amazon.
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Offline Dumon

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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #2 am: 23.Mai.2015, 06:23:50 »
Die Auswahl ist aber wesentlich größer geworden, da unter Anderem die Möglichkeiten der Finanzierung von Nischenprodukten exponentiell gewachsen sind. Das ist aber nicht nur im Rollenspielbereich so - in allen Bereichen führt die größere Spezialisierungsmöglichkeit auf genau die Nische, die man am liebsten hat, zu einer größeren Fragmentierung der Gesellschaft an sich und des spezifischen Hobby-Bereiches im Kleinen (wenn man den genauer betrachtet).

Ich denke, dass die größere Auswahl an Systemen auch ein Problem darstellt. Nehmen wir insbesondere den deutschen Raum, so waren vor ca. 20 Jahren eben NICHT so viele RPGs vorhanden wie jetzt (in Deutsch). In der Tat gab es noch nie so viele Systeme wie heute. Klar, es sind welche ausgestorben, und tun das auch noch. Ständig entstehen und vergehen neue Ideen. Aber die Bandbreite, in der gespielt wird, war nicht da. In Deutsch gab es da eine Handvoll Möglichkeiten. Und da hat man sich eben fokussiert drauf.
Nimmt man den englischen Raum dazu, wurden das mehr, aber auch da ging die Zahl nicht in diese großen Ausmaße.

Nehmen wir z.B. mal Cthulhu.
Was gab es früher? Das unglaublich innovative Call of Cthulhu von Chaosium, das dann auch ins Deutsche übertragen wurde. Innovativ, weil die Charaktere keine Helden waren, sondern normale Menschen, weil sie wahnsinnig wurden und sich nicht steigern konnten (kaum).
Und heute?
- Systeme, die noch aktiv laufen:
Call of Cthulhu, Trail of Cthulhu, Achtung! Cthulhu (mit dem CoC-System), The Laundry (mit dem CoC-System), Delta Green (wird mit eigenem System neu aufgelegt), Lovecraft, Arkham and Cthulhu (FateCore Quellenbuch, jetzt auf KS)
- Systeme, die mit Corebook abgeschlossen sind, oder (wahrscheinlich) nicht mehr laufen:
CthulhuTech (wird wahrscheinlich nicht mehr fortgeführt), Eldritch Skies, tremulus, The Void (wahrscheinlich gleiches System wie CthulhuTech), Realms of Cthulhu (Savage Worlds Engine), Cthonian Stars (Traveller-System), Macabre Tales
- Systeme, die es frei zum Download gibt:
- Cthulhu Dark, Nemesis
- Indie-Systeme mit deutlichem Cthulhu-Touch:
Insylum, The Iä! Iä! Ph'iles, The Shab-al-Hiri Roach, Pokethulhu, Cthulhu for President

Und dabei habe ich bestimmt drei, vier übersehen/vergessen...
Wichtig ist aber, dass die alle noch zu bekommen sind. In PDF-Form wieder aufgelegt, oder dauerhaft verfügbar gemacht.

Diese Fragmentierung setzt sich in allen Bereichen fort.
Hat man früher Fantasy gespielt, dann teilte sich das auf in DSA, D&D und MERS. Ein paar Verrückte spielten Rolemaster oder Ruf des Warlock.
Und heute? Zig Möglichkeiten. Klar gibt es die Mainstream-Linien, die hauptsächlich gefahren werden, aber es gibt einfach superviel Auswahl, und man MUSS sich nicht darauf beschränken, wenn man nicht will. Für jeden ist was dabei.

Das heißt aber auch, dass jemand, der xy spielen will, es wesentlich schwerer hat, Leute zu finden, die das auch tun.
Internet machts möglich.
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« Letzte Änderung: 23.Mai.2015, 13:29:13 von Dumon »
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #3 am: 23.Mai.2015, 08:52:08 »
Sicherlich mag es stimmen, das es Anfang der 90er schon mehr als die im Startposting genannenten Systeme gab, aber das waren damals nunmal die präsentesten.
DSA ist nach meinem Kenntnisstand z.B. das einzige RPG für das in Deutschland jemals TV-Werbung gemacht wurde.
Auch wenn es früher schon mehr als 3 Systeme gab, so ist das Angebot und die Vielfalt heute um ein vielfaches größer.
Die Systeme damals waren mMn auch (Regelseitig) Designtechnisch mehr oder weniger gleich bzw. sehr ähnlich. Es gab meist Hitpoints, Attacke, Parade, Skilllisten, etc.; kein Player Empowerment, keine alternativen/innovativen Probenmechanismen wie Jengatürme oder Tarotkarten, etc..

Heute gibt es so unfassbar viele Systeme mit z.T. extrem unterschiedlichen Designzielen. Vergleich nur mal Klassiker wie DSA, D&D, SR mit FATE, Savage Worlds, oder Indiespielen Dread oder Fiasco. Von den vielen Spielwelten ganz zu schweigen.
Die oben aufgelistete Vielfalt an Cthuluiden Rollenspielsystemen zeigt doch recht anschaulich, wieviele verschiedene Ansätze es für eine (relativ gut umgrenzte) Spielwelt gibt. Im Bereich Fantasy mag das sogar noch extremer sein.

Jeder Spieler hat doch so seine Vorlieben und Vorstellungen, was ein gutes System (Regeln und Spielwelt) ausmacht. Bei der aktuellen Vielfalt wird es jedoch u.U. immer schwerer sich auf eines zu einigen.

@Corn
Nimm doch nurmal uns 2 als Beispiel. Wir könnten uns sicher noch auf Shadowrun als Spielwelt einigen. Beim verwendeten Regelsystem gehen unsere Vorlieben aber schon weit auseinander. Während du sicher SR5 bevorzugen würdest (und dafür sicher auch gute und nachvollziehbare Gründe hättest), wäre mir das Regelgerüst für meinen Geschmack zu umfangreich und unflexibel. Ich würde für eine mögliche SR Runde FATE als Regelsystem vorziehen.
Dieses Problem hätten wir vor 25 Jahren gar nicht erst gehabt.
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #4 am: 23.Mai.2015, 12:15:46 »
@Dumon: Das es so viele Systeme für den Großen gibt war mir garnicht bewusst. Sind das wirklich unterschiedliche Systeme oder nur unterschiedliche Settings mit ähnlichen Regeln (wie bei klassichen oder now)?

@Com: Das wirt uns nur bei SR finden können liet heute im Vergleich zu vor 25 Jahren wohl eher daran das ich schrecklich unflexibel geworden bin  :D Wobei vielleicht auch andere Systeme durchaus spielbar für mich wären. FATE z.B. habe ich och nie angetestet und kann weder über die Regeln noch über die möglichen Systeme etws sagen. Was die Möglichkeiten des Systems für SR angeht so kann ich sagen das schon vor 15 Jahren die Frage ufkam ob wir us weiter an (damals) SR3 das neue sich am horizont ankündigende SR4 oder an D20 oder D6 orientieren wollen. Zum Glück kam nie jemand auf die Idee die DSA 3 Regeln verwenden zu wollen  :D
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #5 am: 23.Mai.2015, 12:38:19 »
Das war ja auch nur ein Beispiel.

Ich finde es heute generell schwieriger als früher, sich mit der Spielgruppe auf ein System/Setting zu einigen.
Ich würde sagen, ich bin z.B. jemand, der an vielen recht unterschiedlichen Spielwelten interessiert ist. Das verwendete Regelsystem sollte wenn möglich bitte möglichst kompakt und flexibel sein, da mir die Zeit und der Nerv für gigantische Regelungetüme fehlt, was viele Mainstream Sachen ausschließt.
Und trotzdem scheint mein Geschmack schon zu speziell zu sein.


PS: Schreibst du hier zufällig mit Handy oder Tablet? Deine Postings sind kürzlich etwas anstrengender zu lesen, als sonst.  ;)
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #6 am: 23.Mai.2015, 13:24:57 »
Corn, das sind alles Systeme (wo nicht CoC bei steht).

Wobei oft auf anderen Systemen aufgesprungen wird. So ist "Chtonian Stars" zum Beispiel auf dem Traveller-System basierend, "The Void" teilt meines Wissens nach das System mit CthulhuTech (bin ich mir aber nicht sicher), und Realms of Cthulhu bezutzt das Savage Worlds-System.

Insgesamt habe ich also eine einzige Dopplung viellleicht übersehen (die genannten CT und TV), alles Andere sind separate Systeme.

Nicht zu vergessen natürlich die D&D-Convertierungsregeln bei Delta Green oder Realms of Cthulhu.


Settings könnte ich Dir noch wesentlich mehr nennen:
- neben Now, 1920 und 1890 gibt es da noch Mittelalter und das Alte Rom als ganz reguläres Setting, sowie Quellenbände zu nahezu allem und jedem (Epoche, Land, etc.).
« Letzte Änderung: 23.Mai.2015, 13:27:29 von Dumon »
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #7 am: 23.Mai.2015, 14:25:58 »
@Com: Ich versuche es in zukunft wieder besser zu strukturieren ;) Ich schreibe maximal vom Sofa aus auf dem TV. Habe kein Tablet und mit dem Handy dauert es mir zu lange was zu tippen
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #8 am: 23.Mai.2015, 14:47:03 »
@Corn: alles gut. Ich hatte mich nur über die vielen Buchstabendreher u.Ä. gewundert, was oft symptomatisch für Handyschreiber zu sein scheint.

Hier übrigens mal der Link zur aktuellsten deutschen FATE Variante (gratis), falls du mal nen Blick riskieren möchtest:
http://www.faterpg.de/2015/05/turbo-fate-fate-core-stehen-zum-download-bereit/
« Letzte Änderung: 23.Mai.2015, 18:06:57 von ComStar »
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Re: Schadet die große Systemauswahl dem Hobby?
« Antwort #9 am: 04.Juni.2015, 12:54:53 »
Ich finde es heute generell schwieriger als früher, sich mit der Spielgruppe auf ein System/Setting zu einigen.

der meinung bin ich auch... ich find es ziemlich schade. anfangs hab ich nur shadowrun gespielt und es war nie ein großes
problem die spielrunde voll zu kriegen. zwischenzeitlich hab ich engel angefangen. das war auch noch ok.. zwei systeme sind
ja noch sehr übersichtlich.
sicherlich ist es gut neues auszuprobieren aber wenn dann eine feste runde besteht und immer wieder diskussionen anfangen
auf welchs system man sich an dem tag festlegt ist es meiner meinung nach nur noch anstrengend und das sowohl für den
spielleiter als auch den spieler. man bereitet sich auf ein setting vor und dann wird was ganz anderes gespielt.
die persönlichen vorlieben gehen gruppenintern ja auch gerne mal auseinander.
jetzt nach vielen jahren der abstinenz hat sich endlich wieder ein grüppchen zusammengefunden und es wird shadowrun 5
gespielt und es macht wieder spaß wie früher :)

ich find es allgemein schwieriger gruppen für EIN system zu finden bei der großen auswahl.
Ältere Bekanntschaften und Freundschaften haben vor neuen hauptsächlich das voraus, dass man sich einander schon viel verziehen hat.
   
Johann Wolfgang von Goethe